Ratgeber

Backup nach dem VMware-Ausstieg: Proxmox, Hyper-V und XCP-ng

Was sich für die Datensicherung ändert, wenn Sie von VMware auf Proxmox VE, Hyper-V oder XCP-ng wechseln - Veeam-Unterstützung, alte Sicherungen, Planung und Checkliste.

Lennart von myveeam.cloud · Veröffentlicht am 6. Oktober 2026 · 11 Min. Lesezeit

Wer von VMware vSphere auf Proxmox VE, Microsoft Hyper-V oder XCP-ng umsteigt, muss die Datensicherung neu aufsetzen, denn Backup-Jobs, Änderungsverfolgung und Wiederherstellungswege hängen am jeweiligen Hypervisor. Veeam Backup & Replication unterstützt in Version 13.1 alle drei Plattformen, allerdings unterschiedlich tief: Hyper-V nativ, Proxmox VE und XCP-ng über Plug-ins mit eigenen Worker-VMs. Vorhandene VMware-Sicherungen bleiben nutzbar und lassen sich laut Veeam-Dokumentation auch auf den neuen Plattformen wiederherstellen.

Dieser Ratgeber zeigt, was sich je Plattform ändert, wo es Einschränkungen gibt und wie Sie die Umstellung planen. Eine Empfehlung für einen Hypervisor geben wir bewusst nicht. Alle Angaben beziehen sich auf Veeam Backup & Replication 13.1.1 (Stand Oktober 2026).

Warum denken viele KMU über einen Wechsel nach?

Auslöser sind meist die geänderten Lizenzbedingungen nach der Übernahme von VMware durch Broadcom. Seit Dezember 2023 gibt es VMware-Lizenzen nur noch im Abonnement, abgerechnet wird pro CPU-Kern mit mindestens 16 Kernen je Prozessor. Zudem endet der allgemeine Support für vSphere 8 im Oktober 2027, sodass viele Unternehmen ohnehin vor einer Vertragsentscheidung stehen.

Technisch bleibt vSphere eine ausgereifte Plattform, und viele Unternehmen verlängern bewusst. Wer wechselt, sollte das Backup aber von Anfang an mitplanen und nicht erst nach der Migration.

Was ändert sich für die Datensicherung grundsätzlich?

Ein Image-Backup nutzt die Schnittstellen des Hypervisors: Snapshots, Änderungsverfolgung und Datentransport. Deshalb lassen sich VMware-Backup-Jobs nicht einfach auf die neue Plattform übertragen. Sie legen dort neue Jobs an, und jede neue Sicherungskette beginnt mit einer Vollsicherung.

Auch die Backup-Infrastruktur ändert sich. Bei Hyper-V übernimmt der Host selbst (On-Host) oder ein separater Off-Host-Proxy den Datentransport. Für Proxmox VE und XCP-ng installiert Veeam ein Plug-in auf dem Backup-Server und verteilt sogenannte Worker: kleine Linux-VMs auf den Hosts, die den Datentransport übernehmen. Veeam unterstützt Hyper-V seit Version 6 (2011), Proxmox VE seit Version 12.2 (August 2024) und XCP-ng seit Version 13.1 (Juli 2026).

Veeam-Unterstützung je Plattform im Vergleich

Die Tabelle fasst die wichtigsten Angaben aus dem Veeam Help Center zusammen (Build 13.1.1.18); Details stehen in der Hersteller-Dokumentation.

MerkmalHyper-VProxmox VEXCP-ng
AnbindungnativPlug-in mit Worker-VMsPlug-in mit Worker-VMs
Unterstützte VersionenWindows Server 2016 bis 2025, Azure LocalProxmox VE 8.2 bis 9.2 (offizielles ISO, x86-64)XCP-ng 8.3 und neuer
ÄnderungsverfolgungResilient Change Tracking (RCT)QEMU Dirty BitmapsCBT des Hypervisors
Anwendungskonsistente Sicherungja (VSS, Integrationsdienste)ja (mit QEMU Guest Agent)nein (keine Quieszierung im Gast)
Instant Recoveryjaja; Proxmox VE als Ziel derzeit „experimentell“Xen-Backups auf vSphere, Hyper-V, Nutanix AHV oder Proxmox VE; Xen als Ziel nicht dokumentiert
Dateiwiederherstellungjajaja
Replikationjaja (seit 13.1)nein
SureBackupinkl. Starttest im virtuellen Labornur Integritäts- und Inhaltsprüfungnur Integritäts- und Inhaltsprüfung
Ziel Veeam Cloud ConnectBackup und Backup-Kopienur Backup-Kopienur Backup-Kopie

Hyper-V: worauf Sie achten sollten

RCT nutzt Veeam nur, wenn die VMs auf Hyper-V 2016 oder neuer laufen, die VM-Konfigurationsversion mindestens 8.x beträgt und in Clustern alle Knoten aktualisiert sind und die Cluster-Funktionsebene 2016 erreicht ist. Andernfalls liest jede inkrementelle Sicherung alle Daten. Pass-Through-Disks sowie im Gast per iSCSI oder Fibre Channel verbundene Laufwerke sichert Veeam auf VM-Ebene nicht; dafür nennt der Hersteller den Veeam Agent. Bei Shielded VMs ist keine anwendungskonsistente Sicherung möglich.

Proxmox VE: worauf Sie achten sollten

Die Dirty Bitmaps haben eine Besonderheit: Bei Festplatten im Format RAW oder VMDK verwirft Proxmox VE sie, sobald die VM ausgeschaltet oder neu gestartet wird. Die nächste Sicherung liest dann alle Daten. Bei QCOW2 tritt das laut Veeam nicht auf. LXC-Container, VM-Vorlagen, durchgereichte Disks und an VMs angebundene iSCSI-Disks sichert das Plug-in nicht. Für anwendungskonsistente Sicherungen muss der QEMU Guest Agent in der VM laufen. Cluster-Knoten werden einzeln eingebunden und brauchen eine direkte IP-Verbindung zum Backup-Server (kein NAT).

XCP-ng: worauf Sie achten sollten

Das Xen-Plug-in ist neu und hat mehr Einschränkungen. Es sichert ohne Quieszierung im Gast, die Sicherungen sind also absturzkonsistent. Für Datenbanken und andere transaktionale Anwendungen sollten Sie deshalb zusätzlich anwendungseigene Sicherungen oder den Veeam Agent im Gastsystem prüfen. RAW-Disks müssen aus dem Job ausgeschlossen werden, Verschlüsselung im Backup-Job und Replikation werden nicht unterstützt. Auf GlusterFS- und XOSTOR-Storage gibt es kein CBT, dort liest jede Sicherung die komplette Disk. Je Pool ist mindestens ein Worker nötig. Nach einer Wiederherstellung an den ursprünglichen Ort erzeugt die nächste Sicherung wieder eine Vollsicherung.

Lassen sich VMware-Sicherungen auf der neuen Plattform wiederherstellen?

Ja. Laut Veeam Help Center akzeptieren die Funktionen „Restore to Proxmox VE“ und „Restore to Xen“ unter anderem Sicherungen von vSphere-VMs. Für Hyper-V ist der dokumentierte Weg „Instant Recovery to Microsoft Hyper-V“: Die VM startet direkt aus dem Backup und wird anschließend in den Produktivspeicher migriert. Instant Recovery auf Proxmox VE stuft Veeam derzeit als experimentell ein.

Beim Wiederherstellen fremder VMs auf Proxmox VE versucht Veeam, die VirtIO-Treiber zu installieren; bei VMs mit VMDK-Disks und für Instant Recovery müssen Sie die Treiber vorab selbst installieren. Bei XCP-ng kann eine Wiederherstellung von anderen Plattformen fehlschlagen, wenn für den Ziel-Pool keine Standard-VM-Vorlage definiert ist. Netzwerkkonfiguration, Bootmodus und Treiber gehören deshalb in jeden Testplan.

Was bedeutet das für die Migration?

Eine Wiederherstellung aus dem Backup kann Teil einer Migration sein, ersetzt aber keine Migrationsplanung. Seit dem 25. August 2026 bietet Broadcom das Virtual Disk Development Kit (VDDK) nicht mehr zum öffentlichen Download an; laut Broadcom erhalten es nur noch ausgewählte Technologiepartner für Backup und Recovery. Betroffen sind Migrationswerkzeuge, die das VDDK separat bezogen haben. Prüfen Sie beim Hersteller, ob Ihr Werkzeug weiterhin funktioniert. Backup-Produkte von Technologiepartnern bringen die Bibliotheken selbst mit; Veeam installiert sie laut eigener Dokumentation auf den VMware-Backup-Proxies.

Was passiert mit alten Sicherungen, wenn die VMware-Lizenz endet?

Die Sicherungsdateien sind nicht an eine laufende vSphere-Umgebung gebunden. Eine Dateiwiederherstellung oder eine Wiederherstellung auf die neue Plattform ist weiterhin möglich, und Wiederherstellungen verbrauchen laut Veeam keine Lizenzen. Nur für eine Rücksicherung nach vSphere brauchen Sie vSphere. Wichtig ist die Aufbewahrung: Veeam wendet die zuletzt gültigen Aufbewahrungsregeln im Hintergrund auch auf verwaiste Sicherungen an und kann sie dabei vollständig löschen. Legen Sie die Aufbewahrung deshalb fest, bevor Sie VMware-Jobs deaktivieren oder löschen. Benötigte Stände können Sie zusätzlich exportieren, denn exportierte Backups sind von dieser Hintergrund-Aufbewahrung ausgenommen. Bewahren Sie außerdem die Passwörter verschlüsselter Sicherungen auf.

Welche Bordmittel bringen die Plattformen mit?

Alle drei Plattformen bieten eigene Sicherungswerkzeuge. Proxmox VE hat eine integrierte Sicherungsfunktion und den Proxmox Backup Server (aktuell Version 4.2 vom April 2026), der inkrementell über Dirty Bitmaps sichert, dedupliziert und Einzeldateien sowie Live-Restore unterstützt. Für XCP-ng ist Xen Orchestra das vom Projekt offiziell unterstützte Werkzeug, mit vollständigen und inkrementellen Sicherungen, Replikation, Dateiwiederherstellung, Verschlüsselung und CBT. Windows Server enthält Windows Server Backup, das Hyper-V-VMs auf Host-Ebene sichern und wiederherstellen kann.

Welcher Weg passt, hängt von der Zahl der Systeme, gemischten Umgebungen, zentraler Überwachung und Offsite-Anforderungen ab. Sichern Sie in jedem Fall auch die Konfiguration der Plattform, bei XCP-ng etwa die Pool-Metadaten.

Wie planen Sie die Umstellung?

Parallelphase: Lassen Sie die VMware-Jobs laufen, bis jede migrierte VM auf der neuen Plattform erfolgreich gesichert und testweise wiederhergestellt wurde. Planen Sie Speicher für die zusätzlichen Vollsicherungen ein.

Versionen und Lizenzen: XCP-ng setzt Veeam 13.1 voraus, Version 12 wird nur noch bis Februar 2027 unterstützt. Socket-Lizenzen decken vSphere- und Hyper-V-Hosts ab. Für Proxmox VE und XCP-ng brauchen Sie Instanzen der Veeam Universal License (VUL), die laut Veeam plattformübergreifend nutzbar sind. Eine VM gilt als geschützt und belegt Instanzen, wenn sie in den letzten 31 Tagen gesichert wurde. In der Parallelphase können alte und neue VM daher getrennt zählen, bis die Frist abläuft oder Sie die Instanz manuell freigeben.

Wiederherstellung testen: Für Proxmox VE und XCP-ng bietet SureBackup nur Integritäts- und Inhaltsprüfungen, keinen automatischen Starttest im virtuellen Labor. Planen Sie regelmäßige Test-Wiederherstellungen deshalb fest ein. Wie Sie dabei vorgehen, lesen Sie in unserem Ratgeber Wiederherstellung testen.

Offsite-Kopie unabhängig vom Hypervisor: Eine Kopie außerhalb des Standorts schützt unabhängig von der Plattform. Proxmox- und XCP-ng-VMs gelangen nur per Backup-Kopie in Veeam Cloud Connect. Für XCP-ng nennt die Plug-in-Dokumentation das als unterstützt, die Cloud-Connect-Dokumentation listet Xen-Backups (Stand September 2026) noch nicht; bei uns funktionieren Backup-Kopien von XCP-ng-Sicherungen. Klären Sie das bei anderen Anbietern vorab. Welche Wiederherstellungen direkt aus dem Cloud Repository möglich sind, hängt ebenfalls von der Plattform ab; für Proxmox-Kopien nennt Veeam auf Kundenseite nur die Dateiwiederherstellung. Testen Sie den Rückweg deshalb vorab.

Checkliste für die Umstellung

  • Inventar erstellt: VMs, Anwendungen, Disk-Formate, Speichertypen sowie RTO und RPO je System
  • Veeam auf Version 13.1.x aktualisiert, Plug-ins und Worker eingerichtet
  • Lizenzmodell geprüft (VUL-Instanzen für Proxmox VE und XCP-ng, Puffer für die Parallelphase)
  • Anwendungskonsistenz geklärt: Guest Agent unter Proxmox VE, Alternativen für Datenbanken unter XCP-ng
  • Nicht unterstützte Objekte identifiziert (z. B. LXC-Container, RAW-Disks, Passthrough-Disks)
  • Neue Jobs eingerichtet, erste Vollsicherungen erfolgreich
  • Aufbewahrung der VMware-Sicherungen festgelegt, benötigte Stände gegebenenfalls exportiert
  • Wiederherstellung jeder kritischen VM auf der neuen Plattform getestet und dokumentiert
  • Offsite-Kopie eingerichtet und Rückweg aus der Offsite-Kopie getestet
  • Konfiguration der neuen Plattform gesichert und Notfallhandbuch aktualisiert

Häufige Fragen

Kann ich meine Veeam-Lizenz nach dem Wechsel weiterverwenden?

Instanzen der Veeam Universal License lassen sich laut Veeam plattformübergreifend nutzen und neu zuweisen. Socket-Lizenzen gelten für vSphere- und Hyper-V-Hosts; für andere Plattformen enthalten sie höchstens einige Zusatzinstanzen.

Brauche ich VMware noch, um alte Sicherungen wiederherzustellen?

Nein, nur für eine Rücksicherung nach vSphere. Dateien und ganze VMs lassen sich auch auf der neuen Plattform wiederherstellen.

Sind die Sicherungen genauso konsistent wie unter VMware?

Unter Hyper-V und Proxmox VE (mit QEMU Guest Agent) sind anwendungskonsistente Sicherungen möglich. Unter XCP-ng sind sie mit Veeam 13.1.1 absturzkonsistent, für Datenbanken sollten Sie eine Ergänzung einplanen.

Kann ich Proxmox- oder XCP-ng-VMs direkt per Veeam Cloud Connect sichern?

Nein. Direkte Backup-Jobs in ein Cloud Repository sieht Veeam nur für vSphere und Hyper-V vor. Sie sichern zuerst lokal und übertragen dann per Backup-Copy-Job eine Kopie.

Fazit

Ein Hypervisor-Wechsel ist immer auch ein Projekt für die Datensicherung. Hyper-V, Proxmox VE und XCP-ng lassen sich mit Veeam sichern, unterscheiden sich aber bei Änderungsverfolgung, Anwendungskonsistenz, Instant Recovery und Cloud-Anbindung. Wer die Einschränkungen kennt, alte Sicherungen bewusst aufbewahrt und jede migrierte VM einmal wiederherstellt, vermeidet Lücken im Schutz.

Als Veeam Cloud & Service Provider unterstützen wir Sie dabei. Mit dem Veeam Managed Service überwachen wir Ihre Backup-Server vor Ort; dazu gehören ein Wartungsvertrag mit individuell vereinbarten Reaktionszeiten und die Lizenzierung über das Veeam-Rental-Modell. Über Veeam Cloud Connect übertragen Sie Backup-Kopien verschlüsselt in unser Cloud Repository in einem nach ISO/IEC 27001 zertifizierten Rechenzentrum in Deutschland, auf Wunsch mit Unveränderbarkeit und Insider Protection. Sprechen Sie uns an: hello@myveeam.cloud oder +49 8106 928 9493.

Quellen